Öffentliche Abendvorträge
 
Im Winter organisieren die Basler Botanischen Gesellschaft und das Botanische Institut der Universität Basel gemeinsam öffentliche Vorträge, die unter dem Namen «Botanisches Abendkolloquium» angezeigt werden.

Die öffentlichen Vorträge finden jeweils am Freitag um 18.15 Uhr im Hörsaal des Botanischen Instituts der Universität Basel an der Schönbeinstrasse 6, 4056 Basel, statt (erreichbar per Tram 3, Bus 30 oder 33). Freier Eintritt. Vorträge in allgemein verständlicher Sprache.
 
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Botanische Abendkolloquien

Programm für das Winterhalbjahr 2011/2012

Abendkolloquien WS 2011/2012, pdf-Dokument 180 kB


13. Januar 2012

Prof. Dr. Willy Tinner, Institut für Pflanzenwissenschaften, Universität Bern
«Langfristige Reaktionen von Pflanzen und Vegetation auf  Klimaveränderungen»

Natürliche Archive wie Seen oder Moore erlauben es, mittels paläoökologischer Ansätze die Vegetations- und Umweltgeschichte zu rekonstruieren. Diese Untersuchung der Vegetations- und Klimadynamik über die Jahrhunderte und Jahrtausende gibt Einblick in die Reaktionsweise der Ökosysteme auf Klimaänderungen der Vergangenheit. Was geschah vor 11 700 Jahren, als die Temperaturen in Europa innerhalb von weniger als 100 Jahren um 4 °C anstiegen? Solche Fragen können anhand von Vegetations- und Klimarekonstruktionen diskutiert werden. Paläoökologische Rekonstruktionen ergänzen somit Erkenntnisse aus Experimenten und Beobachtungen und ermöglichen Realitätstests für die Modellierung künftiger Vegetationsveränderungen als Reaktion auf den Klimawandel.

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20. Januar 2012

Dr. Andrea Pluess, Institut für Terrestrische Ökosysteme, ETH Zürich
«Wie sich Pflanzen ins wärmere Jahrhundert retten können»

Der russische Altai ist dank seiner Lage an der Nahtstelle von mitteleuropäisch-westsibirischer, pontisch-südsibirischer, zentralasiatischer und zentralsibirisch-daurischer Florenregion eines der artenreichsten Gebiete Mittel- und Nordasiens. Beträchtliche Höhenunterschiede (zwischen 200 und über 4500 m NN) und ein steiler Nordwest-Südost-Klimagradient (von eher ozeanisch getönten Gebirgslagen bis zu ausgesprochen trocken-kontinentalen intramontanen Becken) auf rund 300 km Luftlinie ermöglichen ein breites Spektrum an Vegetationstypen mit Wäldern, Steppen, Halbwüsten und alpinen Tundren. Der Vortrag vermittelt entlang eines Transekts von Biysk nach Kosh-Agach einen Eindruck von der floristischen und vegetationskundlichen Vielfalt des russischen Altai.

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3. Februar 2012

Prof. Dr. Georg Grabherr, Institut für Ökologie und Naturschutz, Universität Wien
«Ökologische Klimafolgenforschung in Hochgebirgen – Beobachtung versus Modellierung. Wem soll man mehr glauben?»

Seit klar ist, dass wir einen Klimawandel erleben und dieser unausweichlich ist, stellt sich die Frage, wie er sich auf Vegetation und Fauna auswirkt. Die Entwicklung computergestützter Modelle ist heute weit fortgeschritten und hat die Bedeutung von Migrationseigenschaften von Arten, von geeigneten Wanderkorridoren sowie die Bedeutung des Widerstandes der aktuellen Vegetation gegen Immigration verdeutlicht. Letztlich können aber nur systematische direkte Beobachtungen Sicherheit bringen. Welch dornigem Weg der Kritik und des endlosen Wenn und Aber man sich dabei aussetzt, zeigt die nun 20-jährige Erfahrung der Forschungsinitiative GLORIA. Erste Ergebnisse zeigen aber für die Hochgebirgsflora – zumindest europaweit – eindeutig einen Trend nach oben.

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2011 :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
   
21. Oktober 2011

Lic. phil. nat. Beat Fischer,Büro für Angewandte Biologie, Bern
«Pflanzenwelt der Blue Mountains und der Australischen Alpen»

Australien beherbergt mit seinen rund 20 000 Pflanzenarten eine reiche Flora. 80 bis 90 Prozent aller Samenpflanzenarten sind endemisch. Das Land der «Blauen Berge» liegt westlich von Sydney und zeichnet sich durch eine Vielzahl von Lebensräumen wie trockenes Buschland, hängende Sümpfe, windzerzauste Trocken- oder feuchte Regenwälder aus. Feuer spielt eine wichtige ökologische Rolle und verschiedenste Proteaceen, Myrtaceen oder Mimosaceen sind bestens daran angepasst. Auf den höchsten australischen Bergen gedeiht sogar eine alpine Flora. Ob in den Kosciuszko Mountains bei Canberra oder auf Tasmanien, oberhalb der Waldgrenze, gebildet von Schnee-Eukalypten, finden sich zwergförmige Pflanzen und Polsterpflanzen, die mit unserer Flora vieles gemeinsam haben.

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4. November 2011

Prof. Dr. Jaboury Ghazoul, Institut für Terrestrische Ökosysteme, ETH Zürich
«Die Bestäubungskrise: ein Blick hinter die Kulissen»

Fast wöchentlich erscheinen in den Medien Beiträge über den Rückgang von Bienen, ein Thema, das breites Interesse findet. Doch wieso interessieren Bienen und andere Insekten? Sie sind wichtige Bestäuber, die Pollen von Blüte zu Blüte transportieren und dadurch die Bildung von Früchten und Samen gewährleisten. Da viele Nahrungsmittel auf Bestäuber angewiesen sind, besteht die Sorge, dass ihr Rückgang eine Verringerung der Nahrungsmittelproduktion zur Folge haben könnte. Aber nimmt die Zahl der Bestäuber wirklich ab? Ist unsere Nahrungsmittelproduktion durch einen möglichen Rückgang der Bestäuber tatsächlich bedroht? Und falls ja, was können wir dagegen tun? Der Vortrag wird in Englisch gehalten und mit vielen Bildern und einfachen Grafiken untermalt. 

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18. November 2011

Dr. Felix Gugerli, Forschungseinheit Biodiversität und Naturschutzbiologie, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf
«Königin der Alpen, Recke, weihrauchduftende Lockenmetapher oder treffliche Charakterisierung der Arve?»

Die Arve (Pinus cembra) hat vielerorts in den Alpen im Übergangsbereich von der bewaldeten zur alpinen Zone eine Sonderstellung inne – mit ein Grund, weshalb ihr allerlei Eigenschaften zugeschrieben werden. Der Vortrag sucht nach Erklärungen für die besondere Wahrnehmung dieser Baumart. Dass dafür auch molekulare Studien beigezogen werden, soll nicht abschreckend wirken. Vielmehr erlauben sie Einblicke in biologische Prozesse, welche anders nicht erkennbar sind. So lassen sich Muster von Pollen- und Samenausbreitung nachweisen sowie deren Wirkung auf Verwandtschaftsstruktur und Fitness eruieren. Nebst einigen geklärten Fragen bleiben noch viele Geheimnisse der Arve zu ergründen.

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2. Dezember 2011

Dr. Veronika Stöckli, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos
«Treibt der Klimawandel die Alpenpflanzen gipfelwärts?»

Die Flora der nivalen Stufe ist in den vergangenen Jahrzehnten artenreicher geworden. Zahlreiche Pflanzen kommen heute bis in grössere Höhen vor, sind häufiger und blühen oder fruchten, statt wie früher nur zu vegetieren. Diesen regelrechten Boom der Alpenpflanzen stellen wir fest, wenn wir historische Vegetationsaufnahmen mit neuzeitlichen Daten vergleichen. Die neuesten Daten haben wir in den vergangenen beiden Sommern auf rund 150 Gipfeln und Pässen in der Südostschweiz gesammelt. Wir ermitteln nun, welche Rolle der Klimawandel bei der beobachteten Entwicklung der nivalen Flora spielt.

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16. Dezember 2011

Prof. Dr. Christian Körner, Botanisches Institut, Universität Basel
«Weshalb gibt es auf der ganzen Welt Baumgrenzen im Gebirge?»

Anschliessend an den Vortrag Weihnachtsapéro im Foyer des Tropenhauses

Der Vortrag erklärt die biologisch-physikalischen Ursachen der oberen Verbreitungsgrenze der Lebensform Baum. Es wird klar, dass Erklärungen, die etwas mit Winter oder Saisonlänge zu tun haben, angesichts der globalen Verbreitung des Phänomens Baumgrenze zu kurz greifen. Was unterscheidet Bäume von Zwergsträuchern und Alpenmatten oder gar dem Gletscherhahnenfuss, die im Gebirge noch viel grössere Höhen erklimmen? Diese Jahrhundertfrage findet eine relativ simple Antwort. So viel sei verraten: Es hat nichts mit den biologischen «Kosten» eines dicken Stammes zu tun, auch nichts mit mangelnder physiologischer Anpassung. Bilder aus aller Welt und einfache, anschauliche Grafiken werden den Vortrag unterstützen.

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Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei. Gäste sind stets willkommen!
Anschliessende Gesprächsrunde jeweils im Restaurant If d’Or, Missionsstr. 20, Basel.

Prof. Dr. Jürg Stöcklin, Präsident


Basler Botanische Gesellschaft
Titelseite

22.10.2002